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Almuth Wessel, Kreissprecherin, DIE LINKE. Kreisverband Gütersloh

Ist Chemnitz überall? Kommentar zu den Ereignissen in Chemnitz.

Am frühen Nachmittag vor dem Fernseher sträuben sich mir die Haare: die Invasion von Rechtsradikalen in Chemnitz kam offensichtlich nicht aus heiterem Himmel.

Der Verfassungsschutz war informiert über die Masseninvasion die auf Chemnitz zurollte – soll angeblich die Polizei informiert haben. Aber die zeigte sich „machtlos“ gegenüber dem braunen Mob, kapitulierte vor der Überzahl der rechtsextremen Demonstranten.

Und auf Twitter textet die germanisch-blonde Oberikone der AfD: „Das Abschlachten geht weiter...“ - als ob tagtäglich entfesselte Horden von dunkelhaarigen Eindringlingen johlend und mit geschwungenen Messern hinter ahnungslosen deutschen Männern Frauen und Kindern her wären, um sie zu massakrieren. Ich musste an die Berichte denken, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs in allen Zeitungen aller politischen Lager veröffentlicht wurden – damals wimmelte es dort von ausgestochenen Augen, abgehackten Händen und anderen Greueltaten die die jeweils „anderen“ angeblich der wehrlosen Zivilbevölkerung angetan hatten. Und jeder, der sich einigermaßen mit Geschichte auskennt, weiß, dass Greuelpropaganda dieser Art zu JEDEM Krieg gehört. Und offensichtlich ist Frau Alice Weidel exakt 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg der Meinung, wir befänden uns im Krieg.

Mir kommen angesichts der überschäumenden öffentlichen Diskussion andere Bilder:

- neonazistische Horden, die Menschen durch die Straßen jagen, weil sie nicht blond, blauäugig und hellhäutig sind – und DAS passiert seit dem Mauerfall immer wieder und mit unschöner Regelmäßigkeit nicht nur in Sachsen…

- „aufgebrachte Bürger“ die einen Bus mit Frauen und Kindern belagern – weil die Menschen in diesem Bus keine Deutschen sind

- brave Bürger die beifallklatschend daneben stehen, wenn der braune Mob ein Asylbewerberheim abfackelt…..

 

Das was sich in den Straßen von Chemnitz austobt, kommt nicht aus heiterem Himmel. Es ist die Frucht von jahrzehntelangem Totschweigen, Wegschauen, Wegducken, Bagatellisieren.

Aber es ist AUCH die Frucht einer verfehlten Politik, die breite Bevölkerungsschichten seit Jahrzehnten abhängt und abschreibt.

Und wenn dann endlich der Kessel platzt - dann hört man von der Landesregierung in Sachsen auf der Pressekonferenz nur hilflose Verlautbarungen, in denen zu Besonnenheit gemahnt wird.

Tut mir leid – aber ich fürchte, mit Besonnenheit allein ist dem Problem nicht beizukommen.

Wir brauchen keine kurzfristigen Beschwichtigungsstrategien , sondern handfeste Lösungen.

Und die heißen zum Beispiel:

- Verbesserung der Infrastruktur im öffentlichen Raum – und zwar bundesweit- und vor allem in strukturschwachen Regionen

- Neue Arbeitsplätze in den ausgebluteten Landstrichen

- Eine politische Bildung die mehr ist als nur ein Feigenblatt

- wirkungsvolle rechtliche Handhaben gegen die systematische Vernichtung von Arbeitsplätzen, damit die Menschen eine Perspekive haben keinen Sündenbock mehr brauchen.

Höchste Zeit, dass sich was ändert. Also: AUFSTEHEN! Es müssen sich mehr Menschen dem braunem Treiben auf den Strassen entgegenstellen!


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