Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Almuth Wessel Kreissprecherin

KOMMENTAR von ALMUTH WESSEL, SPRECHERIN des KREISVERBANDS GÜTERSLOH zur PODIUMSDISKUSSION

Mir wurde etwas merkwürdig zumute als ich der Schlussrunde auf dem Podium zuhörte :man wolle in „Ein bis zwei Jahren“ mal wieder vorbeikommen und nachfragen. Ich hatte nämlich ein Deja-vu:

 

Vor zwei Jahren gab es schon mal so eine Gesprächsrunde zu diesem Thema. Damals stand Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem Podium und gelobte Besserung. Man werde alles Menschenmögliche tun, um die Lage der Werkvertragsarbeiter zu verbessern. „Nächstes Jahr in Jerusalem“ lautet ein altes jüdisches Sprichwort, das bedeutet: man soll nie die Hoffnung aufgeben – auch wenn es vielleicht ein bisschen länger dauert, als ein Menschenleben währt. Von einem Werkvertrag ganz zu schweigen.

Auf den ersten Blick könnte ein wohlmeinender Zuschauer denken, man sei doch auf einem guten Weg. Immerhin gibt es eine Wohnrumkontrolle. Aber ich hatte bei dem Bericht von Burkhard Schlüter den Eindruck, dass dabei eher die Mieter als die Vermieter kontrolliert werden. Und dass man vor allem darauf achtet, dass alles sauber und ordentlich ist. Und da ist der Schwarze Peter dann ganz schnell bei den Betroffenen selber. Denn Ordnung halten in einer Vierzimmerwohnung, die für maximal 5 Personen ausgelegt ist, in der aber 20 Personen untergebracht sind- das dürfte sogar eine Musterhausfrau vor unlösbare Probleme stellen. Und es ist auch nicht damit getan, dass man den Bewohnern das Große Einmaleins der Mülltrennung beibringt, wenn die nötige Infrastruktur dafür gar nicht vorhanden ist. Ein Parteigenosse, der neben mir saß und die Diskussion verfolgte, zeigte mir ein Foto von einem Briefkasten auf dem 20 Namensschilder klebten. Und so etwas sei typisch für die Wohnverhältnisse der Betroffenen.

Ja- es lässt sich nicht übersehen, dass es auch deutsche Vermieter gibt, die sich an den Werksvertragsarbeitern aus Südosteuropa finanziell gesundstoßen. Und es gibt immer irgendwo Bruchbuden, die zu sanieren sich eigentlich nicht mehr lohnt – aber für die Arbeiter aus Rumänien oder Bulgarien sind sie immer noch gut genug. Vor fünfzig Jahren vermieteten diese Geschäftemacher ihre Abbruchhäuser an „Gastarbeiter“ - dann, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, waren die Spätaussiedler gern gesehene Mieter dieser Bruchbuden, und jetzt sind es eben die Fleischarbeiter von Tönnies – sofern man es nicht vorzieht, die Halbruinen lukrativ an das BAMF zu vermieten.

Ich frage mich: warum baut Tönnies keine Werkswohnungen und garantiert auf diese Weise den Beschäftigten menschenwürdige Unterkünfte? DAS wäre doch mal eine wundervolle Gelegenheit, unternehmerisches Verantwortungsbewusstsein zu demonstrieren.

Ja- und was die „niedrigschwelligen Angebote zum Deutschlernen“ angeht…. DAFÜR muss man erst mal den Weg zur Volkshochschule finden, den Einstufungstest absolvieren und vor allem das nötige Kleingeld parat haben – von der Zeit ganz zu schweigen. Denn in der Regel ist es ja mit einem Achtstundentag nicht getan…

Eine Parteigenossin hat viele Jahre an den Volkshochschulen der Region „Deutsch für Ausländer“ unterrichtet. Sie hat mir mal von den Schülern aus Südosteurpa erzählt. Die saßen hundemüde in ihren Kursen, hatten einen kräftezehrenden Arbeitstag hinter sich und waren oft kurz davor, vor lauter Erschöpfung einzuschlafen. Aber sie haben gebüffelt … raus aus dieser Fleischfabrik – das war ihre Motivation…

Da könnte bei einigem guten Willen viel mehr passieren. Eine bessere Vereinbarkeit des Kursangebotes mit den Arbeitszeiten eines Schichtbetriebes – andere Lehr-und Lernorte als die Räume der Volkshochschule- wo man ja erst einmal hinkommen muss.

Ich erinnere mich an einen Kurs für Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive, der vor einigen Jahren mal von der Firma Tönnies gesponsert wurde. Er war ursprünglich auf ein Vierteljahr angelegt – wurde dann aber „aus Kostengründen“ auf die Hälfte der Zeit reduziert.

Aber als menschenfreundliche Geste des Fleischmagnaten wurde das Unternehmen in der Öffentlichkeit wohlwollend zur Kenntnis genommen: Einmal wurde der gesamte Kurs – inklusive Dozientin - in einen Bus gesetzt und auf das Firmengelände von Tönnies verfrachtet. Dort durften wir dann eine Unterrichtseinheit im Verwaltungsgebäude absolvieren – unter freundlicher Beobachtung der Journalisten von der Lokalpresse und dem WDR….

Leider gab es für die Beteiligten kein Nachfolgeprojekt…

Aber vielleicht denkt die Firma Tönnies mal darüber nach, ihre Semiarräume dauerhaft für ihre Arbeiter zu öffnen, damit sie dort Deutsch lernen können. Wäre doch mal eine nette Geste – auch wenn nicht immer ein Großaufgebot von Journalisten vor Ort ist…

Ja -und wenn sich der nette Herr Schlüter von der Stadtverwaltung darüber wundert, dass die Menschen aus Südosteuropa nicht beim Schützenfest mitfeiern….vielleicht kommen sie ja nicht,weil sie sich nicht eingeladen fühlen. Aber wahrscheinlich sind sie nur zu müde zum Feiern.

Dieser Job im Schlachthaus ist nämlich ganz schön kräftezehrend und die Erholungsmöglichkeiten nach Feierabend – im Massenquartier, wo im Extremfall im Schichtbetrieb geschlafen wird – halten sich auch sehr in Grenzen.

Fazit: es gibt viel zu tun… und am fehlenden Geld dürfte es eigentlich nicht scheitern – denn schließlich hat die Firma Tönnies mehr als genug davon.

 


Nächste Termine
Keine Nachrichten verfügbar.

Kontakt

DIE LINKE.
KREISVERBAND GüTERSLOH
Postfach 2305
33253 Gütersloh

E - Mail:
info.kreisverband@dielinke-guetersloh.de

Sprecherin: Almuth Wessel

Das LINKE. Büro in Gütersloh

Bismarckstraße 2
33330 Gütersloh

Tel: 05241 2112654
Fax: 05241 2112656


 

Anfahrt

Bürozeiten

SOZIALSPRECHSTUNDE:
Montags 15.00 – 17.00 Uhr

STADTVERBANDSVERSAMMLUNG:
Jeden 2. Montag im Monat

FRAKTIONSSITZUNGEN:
Mittwochs 17.00–19.00 Uhr

SPRECHSTUNDEN MIT DEN RATS- und KREISTAGSMITGLIEDERN:
Mittwochs 15.00-17.00 Uhr
-nach tel. Absprache-

Oder telefonisch:

0157 55246248 (Sozialtelefon)
05241 2112654 (Anrufbeantworter)

In den Ferien bleibt das Büro geschlossen!

P.S. Wir bieten W-LAN-Freifunk an, d.h. Internetnutzung ohne Kosten!

DIE LINKE. NRW: Pressemitteilungen


80 Jahre Pogromnacht: "Erinnern ist nicht mehr genug"

"Allerorts in Nordrhein-Westfalen finden in diesen Tagen Veranstaltungen zur Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 statt. Die Linke NRW begrüßt und unterstützt die vielfältige...

Dauerhafte und verfestigte Armut in NRW

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) kommt in seinem aktuellen Verteilungsbericht zu dem Schluss, dass sich die Armut in Deutschland verfestigt und spricht von einer Polarisie...

Linke fordert Untersuchungsausschuss zum Todesfall in der JVA Kleve

Bisher hat die Landesregierung zu wenig getan, um die Umstände des Todes von Amad A. aufzuklären. Jules El-Khatib, stellvertretender Landessprecher der Linken NRW, fordert daher: "Es braucht jetzt ein...

7.11.1918: Die Revolution erreicht NRW

Die Linke Nordrhein-Westfalen erinnert an die Novemberrevolution vor 100 Jahren. Was am 4. November mit dem Kieler Matrosenaufstand begonnen hatte, erreichte am 7. und 8. November 1918 auch das Rheinl...

Mehr Schatten als Licht in der Arbeitsmarktpolitik NRW

Zum Arbeitsmarktbericht NRW Oktober 2018: Mit 621.351 offiziell registrierten Arbeitslosen in NRW sinkt die Arbeitslosigkeit auf einen neuen Tiefstand und verzeichnet einen Rückgang im Verhältnis zum ...