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Almuth Wessel

Kommentar zu Adenauer-Interview

Das Gebaren der RWE erinnert in höchst fataler Weise an das eines mittelalterlichen Feudalherren, der in seinem Territorium nach eigenem Gutdünken schaltet und waltet – und sich den Teufel um das schert, was der Bürger will.

Und genau so , wie der mittelalterliche Feudalherr hin und wieder ein paar Gulden springen ließ, um sich die Höhere  Instanz gewogen zu machen – indem er ein Kloster oder ein Spital stiftete- oder so wie ein Duodezfürst im 18. Jahrhundert  hin und wieder ein paar Dukaten springen ließ, um seine Generosität zu demonstrieren -indem er sich als Mäzen präsentierte und dem einen oder anderen Künstler einen lukrativen Auftrag zukommen ließ – genauso präsentiert die REW als Mäzen – indem sie einen vergleichsweise niedrigen Geldbetrag locker macht für den Bau eines Museums.

Für den Duodezfürsten des 18. Jahrhunderts ein Klacks – aber gut fürs Renommee – für den stets auf freigiebige Mäzene angewiesenen  Künstler ein dicker Happen.

Für die RWE ist der Zuschuss für das Böckstiegelmuseum ebenfalls nichts, wofür sie  an anderer Stelle sparen muss.

Dieser Betrag wird locker auf dem Konto „Imagepflege und Öffentlichkeitsarbeit“ verbucht.

 „Aber“: genau so, wie sich der Duodezfürst mit seinem -für ihn vergleichsweise wohlfeilem Mäzenatentum sein Image aufbesserte und sich die Loyalität seiner Untertanen durch drakonische Gesetze erzwang – genauso versucht die RWE sich durch drakonische Maßnahmen ihren Einfluss zu sichern. Und genauso wie ein absolutistischer Fürst bedient sie sich einer ganzen Phalanx treu ergebener Gefolgschaftsleute in Gestalt von Lobbyisten, Politikern und -Landräten.

Die Sache hat nur einen Haken:

Wir leben nicht mehr im Zeitalter des Absolutismus. Und die RWE ist  trotz aller eifriger Bemühungen NICHT die Herrscherin  von Nordrhein-Westfalen – auch wenn die nordrhein-westfälische Landesregierung ihr den willigen Büttel macht durch ein Großaufgebot von Polizeibeamten gegen Umweltschützer.

Wir leben nicht mehr im Zeitalter des Absolutismus –  wir haben eine unabhängige Justiz, die auch hin und wieder Recht spricht, dass den ungekrönten Feudalherren im Lande nicht genehm ist.

Da nützt es  nichts, wenn ein CDU-Landrat die Kompetenz eines  Gerichts öffentlich in Zweifel zieht. Damit tut er sich selber keinen Gefallen, sondern er stellt sich und seinem Demokratieverständnis ein Armutszeugnis aus.

Lieber Landrat Sven-Georg Adenauer: Sie haben Verspätung. Wie bereits mehrfach betont: Wir leben nicht mehr im Zeitalter des Absolutismus.

Jeder Bürger und jede Bürgerin der es ernst ist mit den Werten unserer demokratischen Gesellschaft kann über das, was Sie gegenüber der heimischen Presse geäußert haben, nur den Kopf schütteln. Sie sind als Landrat dazu da, darüber zu wachen, dass die Interessen der Bürger gewahrt bleiben. Und DIE sind nun einmal hin und wieder eben nicht deckungsgleich mit den wirtschaftlichen Interessen und der Arroganz der Macht eines Großkonzerns.

Almuth Wessel, kommissarische Sprecherin des Kreisverbandes der LINKEN im Kreis Gütersloh.


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