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Schliessung des Versmolder Krankenhauses: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Seit letztem Dienstag ist es offiziell: Das Versmolder Krankenhaus schließt zum 31. Dezember dieses Jahres. Die Verluste des Krankenhauses sind für die Stadt nicht mehr finanzierbar. Da herrschte Einstimmigkeit bei allen Parteien im Versmolder Rat.
Damit ist die Zukunft der medizinischen Versorgung in Versmold ungewiß. Die Einrichtung eines Gesundheitszentrum soll vorangetrieben werden. Das ist wenig Konkretes, nur sechs Monate vor dem Exitus des Versmolder Krankenhauses.
Noch Ende Mai hielt Marianne Kampwerth, Mitglied der Stadtvertretung und im Aufsichtsrat des Klinikums Ravensberg, den Erhalt der Inneren Abteilung für möglich. Volker Schulz, Geschäftsführer des Klinikums Ravensberg, war schon da skeptisch: „Aus meiner Sicht ist die einzig wirtschaftliche Lösung, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen. Eine stationäre Versorgung ist finanziell nicht darstellbar.”
Noch am 25. Juni 2008 fordert die Versmolder CDU auf ihrer Internetseite „Erhalt des Krankenhauses“.  
Das Ende des Versmolder Krankenhauses ist seit Jahren vorhersehbar, unverständlich, wie wenig vorbereitet die Versmolder Politik darauf ist!
Zumal der Gesundheitsausschuß des Kreises bereits am 9. Februar 2005 dem Kreisausschuß empfahl: “Der Kreis Gütersloh lehnt im Planungsbezirk Bielefeld/Gütersloh eine weitere Reduzierung von Krankenhausbetten oder die Schließung eines weiteren Krankenhauses im Kreisgebiet Gütersloh ab. Die weitere Reduzierung von Krankenhausbetten oder eine Krankenhausschließung bedeutet für die Region Kreis Gütersloh eine der niedrigsten Bettendichten bundesweit mit Auswirkungen auf die Qualität und Quantität der stationären Versorgungsangebote. Eine wohnortnahe Versorgung unserer Bevölkerung ist in diesem Fall nicht mehr gewährleistet. Durch den damit verbundenen Wegfall von Notarztstandorten an Krankenhäusern würde auch die Versorgung im Notfall gefährdet sein.“
Dieser Beschluß wurde übrigens einstimmig gefaßt. In Anwesenheit der Versmolder CDU-Vertreterinnen im Kreistag Gudrun Tschorn und Gerhild Richter.
Versmolds Bürgermeister Thorsten Klute macht sich also zu Recht Sorgen um die Notfallversorgung: „Wichtig ist vor allem, die Notfallversorgung zu sichern. Sie muss gegenüber dem derzeitigen System ausgebaut werden.”
Aber Dr. Eckart Happich, niedergelassener Arzt in Versmold, sieht eine künftige 24-Stunden-Versorgung in Versmold kritisch: „Dazu bräuchte man Partner, zum Beispiel ein Krankenhaus. Das Projekt allein aus privater Trägerschaft zu realisieren, halte ich aber generell für schwierig.”
Von einem Ausbau der Versorgung, wie Thorsten Klute wünscht, kann jetzt wohl keine Rede mehr sein, im Gegenteil, es geht ans Eingemachte!
Anstatt sich gegenseitig die Schuld am Aus für das Versmolder Krankenhaus zuzuschieben, sollten die Versmolder Kommunalpolitiker lieber mal über den Tellerrand schauen. Ebenfalls in der letzten Woche saßen in Berlin auf Initiative der Gewerkschaft Verdi Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft  (DKG), des Deutschen Städttages, der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände und der Ärztevereinigung Marburger Bund im Aktionsbündndis „Rettung der Krankenhäuser“ zusammen.
Dort gab es viel Einmütigkeit zwischen Krankenhausträgern und Gewerkschaften. Sämtliche Verbandsvertreter beschrieben die Zustände in den bundesweit rund 2100 staatlichen wie privaten Kliniken mit drastischem Vokabular. »Jahre gnadenloser Budgetierung haben zu immenser Arbeitsverdichtung, Überstunden und Mehrarbeit geführt.“ Als Ursachen sehen die Verbände die Deckelung des Krankenhausbudget, so dass im Jahre 2008 die Klinikhaushalte nur um 0,64 %  wachsen. Auch die Einführung des Fallpauschalsystems verschlechtert die Einnahmesituation.  Zudem müssen die Kliniken noch 0,5 % ihrer Einnahmen als „Sanierungsbeitrag“ an die Krankenkassen abführen.
Große Verantwortung für die mögliche Schließung hunderter von Krankenhäusern tragen die Landesregierungen. Sie sind für die Investitionen in Krankenhäuser zuständig. Hier besteht inzwischen ein Investitionsstau von fast 100 Milliarden €! Während 1984 noch 2,6 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts in die Krankenhäuser investiert wurden, waren es 2004 nur noch 1,3 Prozent. Innerhalb der EU belegt Deutschland hier den letzten Platz!
Nachdem die Politik den Karren in den Dreck gefahren hat, rufen Herr Tschorn und andere nach dem Wundermittel der Privatisierung. Als „Sanierer“ wird Andreas Woltemate, Verwaltungsdirektor des Krankenhauses Maria-Hilf im westfälischen Stadtlohn,  vorgeschlagen. Er fordert Investitionen und will die Angebote des Hauses ausbauen. Allerdings sollen die zuvor vom Land verweigerten Investitionen nun von privater Seite kommen.
DIE LINKE. lehnt jede weitere Privatisierung im Gesundheitswesen ab.
Gesundheit ist ein zu wertvolles Gut, als dass wir sie der Logik des schnellen Profites unterwerfen dürfen!
Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung stellt fest: „Im Vergleich zu den öffentlichen Häusern ist der Arbeitsdruck bei privaten Kliniken besonders hoch: Im Jahr 2006 musste eine Pflegekraft in einem privaten Krankenhaus durchschnittlich 515 Betten versorgen, und damit 65 mehr als ihre Kollegin in einer öffentlichen Klinik. Eine noch stärkere Diskrepanz zeigt das Betreuungsverhältnis bei den Ärzten: So mussten die Ärzte in privaten Kliniken durchschnittlich 30 Prozent mehr Patienten versorgen als in öffentlichen Häusern. Eine ähnlich hohe Diskrepanz findet sich beim medizinisch-technischen Personal, zu dem unter anderem Physiotherapeuten, Psychologen, Apotheker und Sozialarbeiter gehören. Nach Angaben der regelmäßig im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse durchgeführten Patientenbefragungen ist der erheblich schlechtere Betreuungsschlüssel denn auch eine wichtige Ursache dafür, dass sich die Patientenzufriedenheit in privaten Kliniken deutlich verschlechtert hat.“
Für die Pflegekräfte bringt die Privatisierung aber nicht nur mehr Arbeit, sondern oft auch geringere Einkommen. Dabei sind sie, gemessen an den großen physischen und psychischen Anforderungen ihrer Arbeit,  bereits jetzt chronisch unterbezahlt!
Ganz gleich ob rot-grün, schwarz-gelb oder schwarz-rot, den Regierungen der letzten Jahrzehnte ist es gelungen, das einst vorbildliche deutsche Gesundheitssystem vor die Wand zu fahren. Und das, obwohl der Reichtum dieser Gesellschaft sich im gleichen Zeitraum vervielfacht hat!
Aber die Politiker in Versmold wissen scheinbar nicht, was ihre Parteifreunde in Düsseldorf, Berlin und Brüssel tun! Sie verkaufen uns als  unabänderbare, „schlimme Rahmenbedingungen“, was ihre Parteifreunde dort seit langem verbockt haben.
Unsicher ist auch die Lage der 70 Beschäftigten. Zwar sollen sie ein Arbeitsplatzangebot des Klinikum Ravensberg bekommen, aber das Klinikum Ravensberg steht unter dem gleichen Druck wie alle anderen Krankenhäuser.  Außerdem ist völlig offen, zu welchen Konditionen eine Übernahme der Beschäftigten erfolgen soll.
Mit der Schließung des Krankenhauses entfallen aber keineswegs die Kosten für die Stadt.
„Die Szenarien reichen von fünf bis 13 Millionen Euro”, so Marianne Kampwerth. Daran wird die Versmold noch lange zu zahlen haben.
Die persönlichen Kosten für die Versmolder Bürger sind ebenso absehbar. Sie zahlen mit einer schlechteren Versorgung, längeren Fahrten bei Krankheit oder Unfall und im schlimmsten Fall mit ihrem Leben!

Marco Lehmann, Michael Pusch, DIE LINKE.Versmold


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