ATTAC Regionalgruppe Gütersloh
Klaus Brandner antwortet Attac GT
Attac GT hatte dem Bundestagsabgeordneten Klaus Brandner 32 Unterschriften von Zuschauerinnen und Zuschauern des Dokumentarfilms „Bahn unterm Hammer“ im Bambi-Kino unter einen Appell geschickt, mit dem er aufgefordert wird, im Bundestag gegen Privatisierung der Bahn zu stimmen. Am Samstag erreichte Attac GT hierzu ein Antwortschreiben.
Für Klaus Brandner ist die Teilprivatisierung der Bahn „alternativlos“…
Klaus Brandner zufolge gelte es „im Rahmen staatlicher Verantwortung auch privates Kapital zu nutzen“. Die Bahnreform von 1994 sei erfolgreich. „aus einer unbeweglichen Staatsbahn ist ein modernes wettbewerbsfähiges Unternehmen geworden. Schienenetz, Bahnhöfe, Züge und Stellwerke wurden umfassend modernisiert. (…) Aus einer verlustreichen Bundesbahn wurde ein Logistik-Unternehmen mit steigenden Umsätzen, verbesserten betrieblichen Gewinnen und internationaler Wettbewerbsfähigkeit“. Mittels Teilprivatisierung könne „die Bahn das zusätzliche Kapital erzielen, das sie benötigt, um ihr Angebot zu verbessern und zu erweitern“. Damit würde sich die Bahn gestärkt „im liberalisierten europäischen Güter- und Personenverkehr als starkes Logistikunternehmen behaupten“ können. Es erhalte „kein privater Investor Zugriff auf das Schienennetz“. Die Bahninfrastruktur bleibe im Besitz des Bundes. Der flächendeckende Schienenverkehr wäre damit nicht gefährdet. Nach Brandner ist die geplante Teilprivatisierung der Bahn alternativlos. Denn die Bahn hätte “Verbindlichkeiten von fast 20 Milliarden Euro“ und „muss diese abbauen“. Zusätzliche Investitionen in die Bahn und die langfristige Sicherung von Bahnarbeitsplätzen seien „ohne privates Kapital nicht möglich".
Dazu ein erster Kommentar von Attac GT
Klaus Brandner hat den Film „Bahn unterm Hammer“ wohl nicht gesehen. Hier wurde sehr deutlich gezeigt, dass nach der Bahnreform von 1994 der Schienengüterverkehr für mittlere Entfernungen radikal abgebaut wurde. Auch im Personennahverkehr wurden Strecken stillgelegt und im Fernverkehr hat es eine Konzentration auf sog. rentable Strecken gegeben. Zudem hat er nicht erwähnt, dass die große Regierungskoalition in Jahre 2005 eine schrittweise Reduzierung der Gelder für den Nah- und Regionalverkehr beschlossen hatte, was im letzten und in diesem Jahr zum Abbau von Nahverkehrangeboten führte. Auch der Zustand des Schienennetzes ist eher bedenklich. Langsamfahrstellen nehmen deutlich zu.
Zwar erhalten Private Investoren keinen Mehrheitszugriff auf die Bahn. Doch auch mit einem Anteil von 49 % verfügen sie schon über einen maßgeblichen Einfluss auf die Bahn. Da jeder private Investor hat ein verbrieftes Recht auf eine maximale Rendite hat, wird damit der Bahnbetrieb deutlich in Richtung betriebswirtschaftlicher Rentabilität ausgerichtet. Wenn Schienenstrecken und Schienenverkehrsangebote daher in weniger dicht besiedelten Gebieten einer hohen Rendite abträglich sind, ist ihr Abbau nur eine Frage der Zeit:
Eine teilprivatisierte Bahn AG darf trotz formaler Eigentümerschaft des Bundes die Infrastruktur „betreiben und bilanzieren“. Für 15 Jahre tritt der Bund mit der Teilprivatisierung tatsächlich so gut wie alle Rechte eines Eigentümers an die teilprivatisierte Bahn AG ab. Die Einflussnahme auf das Netz durch den Bund wäre dann nur noch gering. Nach 15 Jahren würde die Bahn AG auch juristischer Eigentümer, sofern der Bund den Rückkauf seiner Verfügung über sein Eigentum nicht wahrnimmt. Die Wahrnehmung des Rückkaufs wird aber zu einem Preis erfolgen, der von der Bahn AG über den bilanzierten Wert bestimmt wird.
Inwieweit eine Teilprivatisierung der Bahn die Arbeitsplätze der Bahnbediensteten sicherer machen soll, ist nicht nachvollziehbar. Seit der Bahnreform wurden die Bahnarbeitsplätze von 360.000 auf 175.000 abgebaut. Für die verbliebenen Bahnbediensteten gibt es aktuell eine Beschäftigungsgarantie, die kurz nach Beginn der Teilprivatisierung auslaufen wird. Dann ist mit einem beschleunigten Beschäftigungsabbau zu rechnen.
An eine teilprivatisierten Bahn zahlt der Bund in den ersten 15 Jahren mehr als 115 Milliarden EUR. Das ist fast genauso viel wie bisher. Sollte sich der Zustand des Bahnnetzes weiter verschlechtern, wird die Bahn AG versuchen, zusätzliche Bundesgelder abzugreifen.
Übrigens lehnte bereits der Vorstand der IG Metall im Februar „eine Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn AG – auch in Form einer Teilprivatisierung – ab“. Die IG Metall, für die Klaus Brandner der 1. Bevollmächtigter in der Verwaltungsstelle Gütersloh ist, „wehrt sich dagegen, dass ein weiterer Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge für private Kapitalverwertungsinteressen geöffnet wird“ (IG Metall, Wirtschaft aktuell 07-2007). Das sind hier vom IG Metall-Vorstand ganz andere Töne als die, die wir jetzt von Klaus Brandner hören.
Aus Sicht von Attac GT ist eine Teilprivatisierung der Bahn nicht alternativlos. Tatsächlich gibt es für die Bahn nur ohne Privatisierung eine Perspektive. Denn die Politik verfügt nur über die entscheidenden Schalthebel für eine Stärkung der Schiene und für eine ökologische Verkehrswende, wenn die Bahn im öffentlichen Eigentum verbleibt. Aus der erfolgreichen öffentlichen Schweizer Bahn sollten wir lernen.
Weitere Schritte von Attac GT
Attac GT wird Herrn Brandner in einem offenen Brief eine Antwort auf sein Schreiben geben und ihm ein Streitgespräch zum Thema Bahnprivatisierung vorgeschlagen. Sicher wird ein solches Streitgespräch auf ein hohes Interesse in der Gütersloher Bevölkerung stoßen.
Beste Grüße
Rainer Westphal
Attac Regionalgruppe Gütersloh
Attac-Aktion vor dem Gütersloher Bahnhof war ein Erfolg
„NW“ berichtete gar nicht – „Glocke“ nur mit Protestbild von der Bundestagsdebatte zur Bahnprivatisierung
Eine 4-seitige Image-Anzeige der DB, aufgemacht wie eine Sonderbeilage der NW -1. Seite-(nur wer genau hinsieht erkennt, dass es sich um Werbung und nicht um einen redaktionellen Beitrag handelt).
Vor diesem Hintergrund ist es natürlich nahe liegend, dass man solche potenten Auftraggeber nicht mit privatisierungskritischen Reportagen verprellen will.
Viele Grüße aus Harsewinkel
Stephan Rieping
Liebe Freundinnen und Freunde von ATTAC,
Liebe ATTAC-Aktive,
anders als das öffentlich-rechtliche Radio und -Fernsehen verzichtete die „NW“ gänzlich auf eine überregionale Berichterstattung zur 1. Lesung des Bahnprivatisierungesetztes im Deutschen Bundestag. Lediglich die „Glocke“ zeigte im Wirtschaftsteil ein untertiteltes Bild des Protestes vom „Bündnis Bahn für Alle“ vor dem Berliner Reichstagsgebäude.
Nur der Protestaktion der Attac Regionalgruppe Gütersloh am Donnerstag vor den Gütersloher Hauptbahnhof und ihrem Spontanbesuchen bei den Regionalredaktionen der Zeitungen war es daher zu verdanken, dass die Bahnprivatisierung auf den Regionalseiten beider Zeitungen erwähnt wurde. Allerdings auch hier mit verteilten Rollen. Während die „NW“ auf ihrer ersten Regionalseite am Freitag nur einen Mehrzeiler „Kein Ausverkauf der Bahn“ immerhin mit dem Hinweis veröffentlichte, über www.deinebahn.de könnten Interessierte ihr „Nein“ zur Bahnprivatisierung an ihre Bundestagsabgeordneten ausdrücken, berichtete die „Glocke“ in der Samstagsausgabe mit Bild und des Abdrucks der fast kompletten Attac-Pressemitteilung von der Aktion vor dem Gütersloher Bahnhof.
Aktion vor dem Bahnhof war ein Erfolg
Die Protestaktion vor dem Bahnhof, an dem sich 12 Aktive von Attac und vom „Gütersloher Ratschlag Zukunft jetzt“ beteiligten, war daher von der öffentlichen Wirkung her ein Erfolg und hat zudem Spaß gemacht. Es wurden an über 400 Bahnreisende Informationen zur Privatisierung der Bahn verteilt. Überrascht hat uns, dass in dem nur zweistündigen Zeitraum vor dem Bahnhof 108 Bahnreisende auch ohne große Aufforderung den Appell an die Gütersloher Bundestagabgeordneten „Verhindern Sie mit Ihrer Stimme den Ausverkauf der Deutschen Bahn und treten Sie ein für eine Weiterentwicklung der Bahn im öffentlichen Eigentum ein. Erheben Sie im Deutschen Bundestag die Stimme gegen die Privatisierung unserer Bahn!“ unterzeichneten. Hier drückt sich sicherlich auch der Ärger sehr vieler BürgerInnen über die Regierungspolitik in Berlin aus, die in zentralen Fragen gegen die Mehrheit der Bevölkerung entscheidet.
Attac GT wird mit Beginn der nächsten Woche die gesammelten Unterschriften an die Abgeordneten weiterleiten und das direkte Gespräch mit Ihnen suchen. Weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen sind geplant.


Attac GT Info-Aktion vor dem Gütersloher Hbf.
Die Privatisierung der Bahn stoppen
GT-Bundestagsabgeordnete sind gefordert
Attac GT mit Info-Aktion vor dem Hbf.
Die Attac Regionalgruppe Gütersloh hatte am Vortag zur Bundestagsdebatte vor dem Gütersloher Hauptbahnhof Bahnreisende zu den negativen Folgen einer Privatisierung der Bahn informiert. In kurzer Zeit wurden 108 Unterschriften unter einen Appell an die Gütersloher Bundestagabgeordneten gesammelt mit dem diese aufgefordert werden: „Verhindern Sie mit Ihrer Stimme den Ausverkauf der Deutschen Bahn und treten Sie ein für eine Weiterentwicklung der Bahn im öffentlichen Eigentum ein. Erheben Sie im Deutschen Bundestag die Stimme gegen die Privatisierung unserer Bahn!“.
Attac GT wird die gesammelten Unterschriften an die Abgeordneten weiterleiten und das direkte Gespräch mit ihnen suchen. Weitere öffentliche Aktionen sind von Attac GT geplant.
hier die dazugehörige Pressemitteilung
Attac GT mit Aktion vor dem Gütersloher Hbf.
Bundestag debattiert am 20.09. zur Bahnprivatisierung
Attac GT mit Aktion vor dem Gütersloher Hbf.
Donnerstag, 20. September 2007 – 17 Uhr
Liebe Freundinnen und Freunde von ATTAC,
Liebe ATTAC-Aktive,
Jetzt geht es los: Die erste Lesung des Bahnprivatisierungsgesetzes wird am 20 September im Bundestag stattfinden. Anlass für uns, mit einer Aktion an die Öffentlichkeit zu gehen.
Am kommenden Donnerstag, den 20. September um 17 Uhr werden wir vor dem Gütersloher Hauptbahnhof über die drohende Bahnprivatisierung informieren und Alternativen aufzeigen. Vor allem wollen aber Unterschriften unter eine Aufforderung an die Gütersloher Bundestagsabgeordneten sammeln, der Privatisierung der Bahn nicht zuzustimmen. Der Druck auf die Abgeordneten muss stärker werden. Denn Ende Oktober soll endgültig über die Privatisierung der Bahn abgestimmt werden.
Kommt zahlreich zu unserer Aktion.
Besuch von „NW“ und „Glocke“
Vor der Aktion wollen wir außerdem die Lokalredaktionen der „NW“ und der „Glocke“ besuchen. Denn diese haben über die Diskussion des Films „Bahn unterm Hammer“ im Bambi-Kino und den hier gefassten Appell an die hiesigen Bundestagsabgeordneten zum Stopp der Bahnprivatisierung nicht berichtet. Das Nachfragen muss erlaubt sein.
Wir treffen uns hier um 16 h vor der Geschäftstelle der „NW“.
Aktuelle Meldungen:
Die Bahnopoly-Kampagne unseres Unterstützers Campact läuft gut und löst große Unruhe im Bundestag aus. Mitmachen und weitersagen
Sehr gut läuft auch die Online-Unterschriften-Sammlung. Täglich kommen Dutzende Unterschriften
dazu. Bitte weitersagen
deinebahn.de/story/08/108.html
Die Verkehrsminister Hessens (CDU) und Brandenburgs (SPD) lehnen das Bahnprivatisierungsgesetz ab, ebenso der Deutsche Städtetag.
Bahnprivatisierung: Der Bundestag entscheidet
Film „Bahn unterm Hammer“ – Schreiben an MdB
Campact-Aktion Bahnopoly
bundesweite Aktion »Flash Mob«
Liebe Attac-Aktive,
Liebe Freundinnen und Freunde von Attac,
obwohl über 70 Prozent der Bevölkerung sich eindeutig gegen die Privatisierung der Bahn ausgesprochen haben, wollen Verkehrsminister Tiefensee und die Fraktionsführungen der großen Parteien in trauter Eintracht mit Bahnchef Hartmut Mehdorn das Bahnprivatisierungs- gesetz wider besseres Wissen durch das Parlament peitschen.
In der nächsten Woche wird das Privatisierungsgesetz im Bundestag in erster Lesung im Bundestag behandelt – und es sieht schwer danach aus, als könnte jetzt nur noch massiver öffentlicher Druck die Parlamentarier zur Besinnung bringen.
Jetzt aktiv werden! Wir machen Druck auf die Bundestagsabgeordneten!
Bambi-Kino zeigte Film „Bahn unterm Hammer“
Appell an die Gütersloher Bundestagsabgeordneten
Am 3. September zeigte das Gütersloher Bambi-Kino den Dokumentarfilm „Bahn unterm Hammer“ Über 50 Interessierte waren der Einladung zu dieser Sondervorstellung gefolgt.
Im Anschluss an den Film gab es eine lebhafte Diskussion auf der Galerie des Filmkinos.
Die Diskussionsteilnehmer forderten die Gütersloher Bundestagsabgeordneten mit einem namentlich unterzeichneten Schreiben auf:
„Bitte verhindern Sie mit Ihrer Stimme den Ausverkauf der Deutschen Bahn und treten Sie ein für eine Weiterentwicklung der Bahn im öffentlichen Eigentum ein. Erheben Sie im Deutschen Bundestag die Stimme gegen die Privatisierung unserer Bahn!“.
Die Schreiben wurden den Bundestagsabgeordneten Klaus Brandner (SPD) und Hubert Deittert (CDU) bereits zugeleitet. Auch die regionale Presse wurde hierüber informiert.
Hier die Presseerklärung und das Schreiben an die Gütersloher Bundestagsabgeordneten.
WDR-Fernsehen soll „Bahn unterm Hammer“ senden
Petra hat für Attac GT den WDR angeschrieben und angesichts der Aktualität um die Aufnahme des Films „Bahn unterm Hammer“ ins aktuelle WDR-Fernsehprogramm gebeten. „Da die 3. Lesung des Privatisierungsesetzes im Bundestag schon bereits im Oktober dieses Jahres ist, bleibt nur noch wenig Zeit.“
Dein MdB-Brief: Deine Abgeordneten sollen Dich vertreten!
Schreib einen persönlichen Brief zur Privatisierung der Bahn an Deine MdB. (Am besten auf Papier und per Post.)
Einfach Deine Postleitzahl eingeben und Deine/n Abgeordnete/n auswählen. Dann bekommst Du einen Musterbrief mit der richtigen Adresse als RTF-Dokument zum Download angeboten.
Deinen Absender reinschreiben, ausdrucken, unterschreiben: fertig!
Campact-Aktion:
Mit Bahnopoly die Bahnprivatisierung verhindern!
Bahn für Alle; startet zusammen mit dem Online-Netzwerk Campact und weiteren Organisationen ein Online-Bahnopoly. Das Spiel zeigt die Bahnwelt 2013 nach der Privatisierung: Die Reise geht durch "Schwindeltrassen", "Schlummergleie", "Weichenfriedhöfe" und "verflossene IC-Strecken". Die Spielerinnen und Spieler haben keine Chance - wie die Fahrgäste nach der Bahnprivatisierung.
Lade die hiesigen Bundestagsabgeordneten zu einer Partie Bahnopoly ein und entführe sie in das Jahr 2013
Bahnopoly spielen: http://www.bahnopoly.de
Schicke den Bundestagsabgeordneten ein Bahnopoly-Spielfeld zusammen mit einem Appell, damit sie im Bundestag die Notbremse ziehen.
Gewinnen in den nächsten Wochen möglichst viele Menschen für die Aktion. Verteile Bahnopoly-Postkarten an Freunde und Bekannte und bei öffentlichen Veranstaltungen.
»Flash Mob« kontra Privatisierung
Mit einem »ersten bundesweiten Flash Mob gegen die Privatisierung der Bahn« haben am Samstag (9. September – um 5 vor 12) ATTAC und das Bündnis »Bahn für alle« am Sonnabend um »fünf vor zwölf« bundesweit an 30 Bahnhöfen demonstriert.
»Flash Mobs« (Blitzaufläufe) sind kurzzeitige, scheinbar spontane Menschenansammlungen an öffentlichen Plätzen, meist über das Internet organisiert. Ursprünglich eine Art von Aktionskunst, haben sie sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer politischen Aktionsform entwickelt.
Leider konnte ATTAC GT diese Aktion kurzfristig nicht für Gütersloh organisieren. Da aber der »Flash Mob« noch einmal bundesweit zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden wird, werden wir dann dabei sein.
Beste Grüße
Rainer Westphal, Attac Regionalgruppe Gütersloh
Zwischenbilanz zur Politik der Privatisierung:
Die Versprechen sind nicht eingehalten worden.
Liebe Attac-Aktive,
liebe Freundinnen und Freunde von Attac,
in der öffentlichen Diskussion wurde Privatisierung bisher als alternativlos dargestellt – in der Politik wurde dafür gesorgt, dass sie alternativlos wird. Doch nun wächst die Skepsis zur Privatisierung.
Prof. Rainer Rilling (Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von ATTAC) beschäftigt sich seit Jahren mit Privatisierungen von öffentlichen Eigentum und sozialer Leistungen. Auf der Sommerakademie von ATTAC Anfang August in Fulda hat er Vorträge gehalten und Seminare organisiert.
Im diesem PodCast-Interview berichtet er über die Ergebnisse der Privatisierungen und den erfolgreichen Widerstand.
In dem wissenschaftlichen Aufsatz:
Die Eigentumsfrage kehrt zurück.
Eine Zwischenbilanz zur Politik der Privatisierung
zieht er eine Zwischenbilanz zur Politik der Privatisierung: Die Versprechen sind nicht eingehalten worden. Die Rede von der Effizienzsteigerung durch Private ist mittlerweile als Mythos entlarvt. Eine breite qualitative Verbesserung und Modernisierung der Infrastruktur hat nicht stattgefunden. Die öffentliche Bürokratie wurde lediglich ersetzt. Der Wettbewerb wurde nicht gestärkt. Vielmehr wurden aus öffentlichen Monopolen eine Handvoll global operierender privater Monopole.
Die Politik der Privatisierung findet hierzulande keine Mehrheit, sondern erfährt eine wachsende Ablehnung. Das zeigt sich deutlich an dem zunehmenden zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen Privatisierungsprojekte.
Privatisierung wird in der Öffentlichkeit damit begründet, dass private, unter Konkurrenzdruck stehende Unternehmen effizienter arbeiteten als öffentliche Monopole. Tatsächlich führt Privatisierung aber oft dazu, dass öffentliche durch private Monopole ersetzt werden.
Der Kern des Problems besteht darin, dass für das Verhalten privater Unternehmen nicht das öffentliche Interesse, sondern der einzelwirtschaftliche Gewinn entscheidend ist. Dies veranlasst sie immer wieder dazu, durch drastische Kostensenkungen Arbeitsplätze zu vernichten, Arbeitsbedingungen zu verschlechtern sowie die Qualität und Sicherheit der Versorgung zu vernachlässigen und zu versuchen, Marktanteile vor allem durch Werbung zu erobern. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass es außerordentlich schwierig ist, durch politische Kontrolle dafür zu sorgen, dass private Unternehmen Standards des öffentlichen Interesses einhalten.
Privatisierung ist eine wesentliche Säule der neoliberalen Globalisierungsstrategie, die sich in den letzten beiden Jahrzehnten weltweit weitgehend durchgesetzt hat. Ihr ökonomischer Hintergrund ist die Suche nach profitablen Anlagen für privates Kapital. Sie zielt daher darauf ab, immer größere Bereiche der Gesellschaft für die private Gewinnmaximierung zu öffnen. Hierdurch werden diejenigen, die nicht genügend Geld haben, von wesentlichen öffentlichen Gütern ausgeschlossen. Das führt zu Entsolidarisierung und sozialer Polarisierung.
Soziale Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Kultur und andere Bereiche, die für das Funktionieren einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft notwendig sind, sollten daher prinzipiell dem privaten Gewinnstreben entzogen und öffentlich organisiert und finanziert werden.
Jörg Huffschmid - Lexikon der Globalisierung
Beste Grüße
Rainer Westphal, Attac Regionalgruppe Gütersloh
Strategien der Weltverbesserung – Was bringt uns die Zukunft?
Liebe Freundinnen und Freunde von ATTAC,
liebe ATTAC-Aktive,
war das Thema des ZDF-Nachtstudios am 19. August 2007.
Es diskutierten:
Seyran Ates
ist Rechtsanwältin und Expertin für Menschenrechtsfragen in der Migrationspolitik
Heiner Geißler
war von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU und von 1982 bis 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit, seit Mai 2007 ist er Mitglied von Attac
Michael Schmidt-Salomon
Freischaffender Philosoph und Schriftsteller, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung sowie Mitarbeiter der Forschungsgruppe Weltanschauung in Deutschland (fowid).
Jean Ziegler
lehrt Soziologie an der Universität Genf, ist ständiger Gastprofessor an der Sorbonne/Paris und UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung
Die sehr informative Diskussion könnt ihr anschauen unter:
Hierzu der Ankündigungstext der Sendung auf der ZDF-Website:
Jeder ahnt es, doch keiner will es wirklich wissen. Glanz und Elend, Verschwendung und Verwahrlosung lagen noch nie so nah beieinander wie in Zeiten der Globalisierung.
Doch können wir dagegen überhaupt etwas ausrichten?
Billigend nehmen wir die brutale Verelendung ganzer Kontinente in Kauf. Gleichzeitig finanzieren wir ein paar Dutzend Diktatoren, um zeitgleich humanitäre Bomber gegen ausgesuchte Feinde der Freiheit loszuschicken. Kriege nehmen zu, statt ab. Umweltkatastrophen taxieren wir in billiardenschweren Fünf-Jahres-Schadensplänen.
Zweiklassengesellschaft
Weltweit formiert sich eine neue Klassengesellschaft, die zwischen Arm und Reich. Laut Weltbank sind die arm, die von weniger als zwei Dollar täglich leben - das sind mittlerweile 40 Prozent der Erdbevölkerung, 2,7 Milliarden Menschen. Gleichzeitig verfügen laut US-Magazin "Forbes" gerade mal 946 Milliardäre weltweit über ein Vermögen von 3,5 Billionen Dollar - das sind fünf Prozent der Menschheit.
Leben wir heute noch in der besten aller "möglichen Welten", wie der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz vor fast 300 Jahren es in seinen "Essais de théodicée" formulierte? Wenn nicht, welche Strategien der Weltverbesserung gibt es? Was tun gegen die globale Armut? Heißt "survival of the fittest" tatsächlich, dass sich die Welt in "Herren des Geldes" und "Arme durch Arbeit" aufteilen muss?
Haben wir eine Chance?
Aber welche Welt wollen wir eigentlich? Gehören Kriege und Terror nicht schon immer zur Menschheitsgeschichte? Sind wir Menschen tatsächlich die globalen Schlechtwettermacher? Was können wir gegen die sich ausbreitenden Seuchen überhaupt ausrichten? Setzen wir auf die Vernunft, oder hilft nur noch der Kinderglaube: Alles wird gut?
Viele Grüße
Rainer Westphal, Attac Regionalgruppe Gütersloh



